Inhalt
Hollywood und Rosamunde Pilcher ermöglichen der Protagonistin Andrea immer wieder auf`s Neue, den Glauben an die wahre Liebe nicht zu verlieren. Allerdings ist sie wählerisch und hat genaue Vorstellungen davon, wie ihr Traumprinz sein soll. Sie weiß auch ganz genau, was er alles nicht haben sollte, doch wer schafft es schon, seinen Prinzipien treu zu bleiben, wenn man plötzlich auf die vermeintlich große Liebe in seinem Leben trifft? Andrea erzählt von ihrer Beziehung zu einem Mann, die seltsam skurril verläuft. Nach und nach werden allerhand amüsante Episoden aus der eigenartigen Begegnung der beiden Hauptpersonen bekannt, durchzogen von sarkastischen, traurigen und unterhaltsamen Reflexionen der Erzählerin.
Alles beginnt auf einer beinahe schicksalhaft anmutenden Reise zum Nordkap, wo Andrea sich beschwingt von der traumhaften Landschaft des hohen Nordens in ihren Reiseleiter Andreas verliebt. Die ersten Verwirrungen hinsichtlich seiner möglichen Ehefrau verstorben oder auch nicht, wer kann das schon wissen? nehmen ihren Lauf. Bereits beim ersten Kuss verblasst der Glanz der neuen Liebe, denn Lippen, über die viele leere Worte sprudeln, qualifizieren sich nicht automatisch zum Küsser-König-Werkzeug. Andrea begibt sich dennoch völlig unbeirrt in die Arme ihres Liebsten, wenn gleich diese auch sehr der Höhle des sprichwörtlichen Löwen nahe kommen. Der anfängliche Blick durch ihre rosarote Brille wird aber nach und nach getrübt und verkommt zu fahlem Grau. Andrea findet sich immer wieder auf`s Neue mit dem seltsam witzigen Humor ihres Reiseleiters konfrontiert und muss ständig in die Rolle einer Geheimagentin schlüpfen, um sich in dem tragisch-komischen Netz von Lügen ihres Traumprinzen nicht völlig zu verlieren. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie oft falsch gehandelt hat, aber immer nur aus blinder Liebe zu dem falschen Mann. Andrea erzählt auf zynisch-amüsante Weise von ihren Erfahrungen, ohne dabei als Ratgeberin aufzutreten. Am Ende hat der Leser hoffentlich mit ihr gelacht und gelitten zugleich, denn immerhin gibt`s da noch die bitter-süße, ganz persönliche Rache. Allerdings nie mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf fröhliche Art und Weise ohne zu jammern. Andrea findet vielleicht ihr Glück aber ob Andreas sie jemals völlig los lassen wird?
Leseprobe
(Auszug aus dem Kapitel „Das Nordkap oder wie verliebe ich mich in den falschen Mann“)
So war ich denn nun völlig in seinen Bann gezogen worden und verbrachte schwebend den Tag in Oslo. Am Flughafen wurde ich dann noch von ihm darüber aufgeklärt, wie sehr er selbständige und flexible Frauen schätzte, die nicht am Hemdzipfel ihres Mannes hingen und sich auch einige Abende alleine beschäftigen konnten, wenn er auf Reisen war. Jajajaja, natürlich war ICH so eine Frau, unabhängig und souverän in diversen Alleingängen. Seine Auffassung von „selbständig“ wich allerdings von meiner einen Hauch ab, denn er schien darunter zu verstehen, Zeit zu haben, wenn er es wünscht. „Flexibel“ war in etwa die Bezeichnung für, „du-bist-flexibel-genug-dich-ins-Auto-zu-setzen-und-dort-hinzukommen-wo-und-wann-ich-es-möchte“, und „einige Abende alleine beschäftigen“ hieß so viel wie „du musst Tage und Wochen ohne mich auskommen, weil ich keine Lust habe dich zu sehen“.
(Auszug aus dem Kapitel „Von Robben und anderen seltsamen Dingen“):
Meine zwei Freundinnen grinsten sich an, freuten sich sichtlich mit mir, welche wahrlich guten Freundinnen würden das nicht tun, und fragten, wann sie ihn denn wohl einmal treffen könnten. Eigentlich hätte mir auch meine Antwort zu denken geben müssen, aber wer will sich darüber schon den Kopf zerbrechen, wenn im Kopf nur noch die Sonne scheint? (Da bekommt der Ausdruck "hirnverbrannt" ja eine völlig neue Bedeutung!)
(Auszug aus dem Kapitel „Die Prinzessin auf der Erbse, pardon im Kaffeehaus“):
Jetzt begann nämlich das Beste unserer besonderen Begegnung (das Wort „Beziehung“ wäre für diese Verbindung wohl zu weit gegriffen und könnte manch glückliches Paar zu stark verunsichern), dieser Nachmittag war der Startschuss für unsere Kaffeehaustouren. Andere Leute bezahlen viel Geld dafür, wenn sie bei Tourismusunternehmen Besichtigungen renommierter Kaffeehäuser buchen möchten, ich bekam dies gratis und immer wieder. Ich benötige mittlerweile auch keinen Kaffeehausführer mehr, wenn ich wissen möchte, wo die Melange am besten schmeckt und wo das Obers auf dem Kakao aus richtigem Schlagobers gemacht wird. Ich kann meinen Freunden auch auf Anhieb sagen, in welchem Lokal man wie viele Scheiben Schinken zur Frühstückssemmel bekommt und ob der Orangensaft inklusive ist. Und diesen Service biete ich sogar weit über die Großstadt bis hinaus in die Vororte Wiens an!
(Auszug aus dem Kapitel „Wenn Tote auferstehen“):
Nach dem Ende des Telefonats begann ich zu rechnen. Zehn Stunden waren seit seiner Abflugszeit vergangen, zwei Zwischenstopps möglicherweise mit Wechsel des Flugzeugs waren notwendig gewesen, um nach Bangkok zu gelangen: war er mit der Concorde geflogen? Wenn ich mir dann auch noch den Zeitunterschied zwischen Abflugs- und Zielort überlegte, dann konnte er dort jetzt unmöglich bei einem gemütlichen Frühstück sitzen! Sogar wenn ich ihn ein bisschen früher abfliegen und ein wenig später ankommen ließ, die Rechnung passte nicht. Wo auch immer mein Reiseleiter sich gerade befand, es war auf keinen Fall in Bangkok! Auf den Anruf drei Tage später ER befand sich mittlerweile in einem buddhistischen Kloster und sein Leben hatte endlich einen Sinn bekommen will ich gar nicht mehr näher eingehen. Möge die Weisheit Buddhas auf dein Haupt übergegangen sein, und mögest du die Strahlen des ewigen Lichtes empfangen haben, du warst trotzdem nicht in einem Kloster in Thailand! Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich gerade auf einem Tagesausflug und dabei auf einem Rundgang durch das Stift Melk befand, war größer, als dass er die Erleuchtung inmitten von Reisfeldern gefunden hatte.
|